Twittern per Telefon
Die diesjährige CeBIT erhebt Vernetzung zum wichtigsten Trendthema: Alles wird mit allem vernetzt. Wer hätte gedacht, dass dabei das gute alte Telefon wieder zu Ehren gelangt. Die Firma woopla GmbH in Duisburg tritt den Beweis an und lässt User nun auch per Telefon zwitschern. Die aufgezeichnete Sprachnachricht der Follower erscheint in der Twitter-Timeline.
„Dialoge, die dem Anrufer Spaß machen und ihm ein Erfolgserlebnis verschaffen“, beschreibt woopla seine Produkte. Tatsächlich kann es nett sein, von bisher persönlich unbekannten Netzwerkern einen hörbaren Eindruck zu bekommen.
Bei Anruf Twitter
Spaß beiseite! Wer twitwoop nutzen möchte, sollte sich wie bei allen Internetanwendungen erst einmal über die Konditionen schlau machen. Stolperfallen gibt ja im Web genug, haben Sie in diesem Blog gelernt. Die Firma woopla versichert, dass twitwoop kostenfrei ist und sich durch Werbung refinanziert. Aber wo steht das?
Auf den stark mit Text überfrachteten woopla-Webseiten findet das der Nutzer nicht so ohne Weiteres. Der Hinweis ist in den FAQ versteckt und nicht in den AGB, wie man zunächst vermuten möchte. Und leider schon gar nicht auf der Startseite von twitwoop selbst.
„Wir haben uns zum Ziel gesetzt, verständliche Sprachapplikationen zu kreieren“, erklärt woopla. Das mag so stimmen, aber auf Grund der umfangreichen Angebote rund um die Sprachkommunikation ist es nicht leicht, sich auf den woopla-Seiten zurechtzufinden. Eine Suchfunktion fehlt dort ganz. Wer sich für twitwoop interessiert, findet nur einen einzigen Link in den Produktbeschreibungen. Nicht so schlimm, Sie haben ja mich: http://twitwoop.com ![]()
How do I use twitwoop?
Da twitwoop mit Twitter verbandelt ist, präsentiert woopla den Service auf Englisch und bevorzugt die Anrede „Du“ in der Produktbeschreibung. Erprobte Twitterer sind nicht überrascht.
„Simply call one of our worldwide landline numbers. Leave your voice message and you’re done.” Nicht ganz! Mitmachen kann nämlich nur, wer bereits einen Twitteraccount besitzt, den Zugriff darauf über die twitwoop-Schnittstelle zulässt (siehe Bild) oder sich bei woopla kostenlos registriert. Im Registrierungsprozess müssen die Nutzer den AGB zustimmen, die an dieser Stelle in deutscher Sprache eingebunden sind. TIPP: Druckversion aufrufen, dann können Sie den Text besser lesen.
Das Anmeldeverfahren ist kinderleicht, und mit der Registrierung ist der Nutzer dann auch gleich Mitglied der Twitter-Gemeinde. Willkommen also!
Bei den Einstellungen des twitwoop-Kontos kann es zu Missverständnissen kommen. Die FAQ sollten meiner Meinung nach bezüglich der Settings ein wenig nachgebessert werden. Bitte schauen Sie ggf. in die Einstellungen Ihres Twitter-Accounts, um Korrekturen vorzunehmen. Pro Account können Nutzer zwei Telefonnummern zur Identifizierung hinterlegen, so dass sie auch von unterwegs, beispielsweise am rauschenden Meer oder von der supergeilen Party, eine Nachricht mit „Hintergrundstimmung“ absetzen können.
„Das ideale Medium für Prominente, die so den letzten Zweifel an der Echtheit der eigenen Identität ausräumen können“, bewirbt woopla seinen Service. Nun, wir sind in diesem Sinne nicht unbedingt prominent, wollen twitwoop aber trotzdem mal ausprobieren:
Senden Sie, liebe Twitterer, einen Anruf an die Festnetznummer +49 (0) 203 4518 308 und sagen Sie, wie Ihnen dieser Beitrag gefallen hat. Follower können per twitwoop-Code auch retweeten. Wollen Sie auf meinen Tweet zu diesem Beitrag posten, benutzen Sie bitte den Reply Code 822682. Keine Sorge, eine Bandansage hilft Ihnen Schritt für Schritt weiter!
Internationale Rufnummern stehen unter http://twitwoop.com/access-phone-numbers/. Ob sich ein Anruf an ausländische Nummern z. B. während eines Auslands-Urlaubs rechnet, muss jeder selbst herausfinden. Vermutlich ist es günstiger, die deutsche twitwoop-Nummer anzurufen, wenn man sie denn dabei hat.
Wer braucht Voice Tweets?
Konzipiert wurde twitwoop für Situationen, in denen Twitter-User mehr sagen möchten, als in 140 Zeichen Twittertext passt. Denn für die Sprachnachricht stehen 140 Sekunden zur Verfügung, schnell reden lohnt sich. Es spielt dabei auch keine Rolle, in welcher Sprache User sprechen. Benutzer können die Nachricht vor dem Absenden noch einmal anhören. Wenn dann doch mal ein Versprecher drin ist, löschen sie die Sprachnachricht sofort oder nehmen neu auf. Auch nachträgliches Löschen ist unter „my twitwoop“ möglich. Wie gesagt, das alles funktioniert per Telefon, die Anleitung kommt vom Band.
Für wesentlich halte ich den akustischen Eindruck. „Man kann Stimmungen transportieren“, argumentiert Frank Tüting, Director Sales, nachvollziehbar. Zudem ist es technisch gesehen über twitwoop sehr einfach, dem Twitter-Stream Audio-Files hinzuzufügen.
Wer Extras haben möchte, und das dürften vor allem Business-Kunden sein, wendet sich an den Anbieter. Zahlreiche kostenpflichtige Dienste für das Marketing runden das woopla-Angebot ab.
Über eines dürfen wir uns aber alle freuen: Sprachnachrichten über Telefon können auch in Facebook über woopCall eingebunden werden. Der Aufwand ist hier nur etwas größer.
In diesem Sinne: Man hört sich!