Hotel Cala Gat
Die Chefin des Hotels Cala Gat, Marilena Gamundi, blickt auf eine erfolgreiche Saison zurück. Am 1. November 2010 reisen die letzten Gäste ab, bevor das Hotel wie viele andere auch in Cala Ratjada in die Winterpause geht.
Warum ist dieses Hotel bis zum Ende der Saison so gut gebucht, stellt sich mir die Frage. Immerhin war es gar nicht so leicht, in der letzten Oktoberwoche ein Zimmer zu bekommen. Für die Rubrik Test & Vote habe ich deshalb einmal näher hingeschaut.
Lage
Vor 42 Jahren wurde das Hotel hinter dem Hügel des March-Anwesens erbaut. Relativ zentrumsnah, jedoch ruhig zwischen Pinien gelegen, sicher kommen allein deshalb viele Gäste immer wieder. Die Straße wird vorweigend von Anwohnern der Siedlung, Lieferfahrzeugen und Besuchern der Bucht genutzt. Dem Hotel gegenüber erhebt sich ein Pinienwald.
Die gleichnamige, nahegelegene Badebucht Cala Gat ist in ca. vier Minuten zu Fuß erreichbar. Von dort führt ein gut ausgebauter, beleuchteter Weg am Meer entlang vorbei am Hafen bis zur Bucht Son Moll. Dieser Weg ist auch für Rollstuhlfahrer zugänglich. Leider ist die Bankiersfamilie March nicht bereit, am dicht bewachsenen Rande ihres riesigen Anwesens einige Quadtratmeter abzugeben, damit der Weg direkt auf der Straße endet. Es kann für gehbehinderte Menschen recht beschwerlich sein, den Umweg über die Bucht nehmen zu müssen. Das Zentrum von Cala Ratjada ist in wenigen Gehminuten auch über die Straße erreichbar, wobei ein Hügel überwunden werden muss.
Ausstattung
Die wie ein Garten angelegte Hotelanlage verfügt über ausreichend Sitzplätze an Tischen sowie Liegeplätze am Pool. Pinien spenden Schatten, was vor allem in den heißen Sommermonaten als sehr angenehm empfunden werden dürfte. Zimmer für Gehbehinderte sind im Erdgeschoss eingerichtet, die über einen abschüssigen Zugang von der Straße her erreichbar sind. Auch mit dem Lift können die Gäste andere Stockwerke erreichen.
Alle 47 Zimmer verfügen über ein Bad, von denen einige sogar ein Fenster haben. Große Balkontüren lassen viel Licht in die Räume, geben Passanten der Straße aber auch den Einblick frei, sofern die Vorhänge geöffnet sind. Die Zimmer sind mit Klimaanlage (kalt/warm), Telefon, TV, Fön und Schreibtisch ausgestattet. Die Geräusche der Klimanalage erhöhen den Geräuschpegel der hellhörigen Zimmer, was leider in sehr vielen Hotels der Fall ist.
Die soliden, aber nicht mehr ganz modernen Möbel sollen nach Angaben der Hotelchefin im Winter ausgetauscht werden. Das düfte vor allem die Stammgäste im kommenden Jahr überraschen.
Immer mehr Gäste reisen mit Notebook oder Smartphone an. Die Hotelleitung hat reagiert und ermöglicht über WI-FI einen kostenpflichtigen Internetzugang (Staffelpreise) im Breich der Rezeption und im Salon. Alternativ können Gäste einen Computer im Salon nutzen.
Preisbeispiele: 25 Minuten für 1 Euro, 8 Stunden für 10 Euro. In Anbetracht der fallenden Marktpreise für mobile Zugänge und Internet sollte sich jedes Hotel genau überlegen, in welcher Höhe es die Kosten an den Gast weitergibt.
Die hauseigene Sauna kann gegen ein recht üppiges Kleingeld genutzt werden (15 Euro für 1 Stunde). Wagemutige schwimmen im Oktober dann doch lieber im 15 Grad kalten Pool – gratis.
Atmosphäre
Das Haus wirkt beim Betreten sauber und aufgeräumt. Der Gast ist von der ersten Minute an willkommen, so mein Eindruck. Die Freundlichkeit wirkt nicht aufgesetzt, alle Mitarbeiter schenken dem Wohl des Gastes ihre Aufmerksamkeit.
Verpflegung
Übernachtungen sind buchbar mit Frühstück oder Halbpension. Wer zwischendurch Appetit oder Hunger verspürt, kann bis 14.30 Uhr à la carte essen oder einen der hausgemachten Kuchen am Nachmittag probieren. Eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen kosten 4,80 Euro. Sicher bekommt man das an der Promenade auch günstiger, dafür ist der Kuchen des Hotels hausgemacht und wirklich frisch und lecker.
Die Küche bemüht sich, ein abwechslungsreiches Buffet anzurichten. Natürlich ist die spanische Küche nicht fettarm, aber für jeden Geschmack ist etwas dabei. Einheimische Zutaten haben Vorrang, beispielsweise Gemüse und Fisch. Am späten Nachmittag werden die Fischkutter im Hafen entladen und über einen Händler bei Bedarf an die Hotels abgegeben.
Getränke werden serviert und separat berechnet. Angefangene Weinflaschen verwahren die Kellner für den nächsten Tag. Andere Getränke, wie Wasser, können mit auf das Zimmer genommen werden, wenn sie nicht aufgebraucht wurden.
Ein Supervisor überwacht das Buffet: Er kontrolliert Sauberkeit und Verfügbarkeit der Speisen, rührt auch mal um, damit alles heiß bleibt. Einziger wirklicher Kritikpunkt meinerseits: Die Teller sollten warm gehalten werden. Aber für diesen Vorschlag hat man wie für vieles andere ein offenes Ohr.
Im Speisesaal wird jedem Gast ein Tisch zugewiesen. Gerangel um die besten Plätze entfällt also, zumal im Graten weitere Tische zur Verfügung stehen. Die Tische werden liebevoll eingedeckt (Stofftischdecken), sonntags überrascht das Hotel mit einem Gläschen Sekt zum Frühstück.
Sauberkeit
Im Wesentlichen sind die Zimmer sauber, auf Wunsch werden Handtücher täglich gewechselt. Wen die kleinen Ameisen stören, die es überall auf der Insel gibt, kann sich ein Mittel dagegen geben lassen. Aus Erfahrung jedoch weiß ich, dass die tägliche Reinigung das bessere Mitttel ist, gänzlich bekommt die Ameisen niemand in den Griff. Gäste sollten daher nie Lebensmitttel offen liegen lassen und vielmehr den kleinen Kühlschrank im Zimmer nutzen. Der läuft übrigens ganz leise und stört den Schlaf nicht.
Preise
Die aktuellen Preise veröffentlicht das Hotel auf seiner Internetseite www.hotelcalagat.de. Sicherlich ist ein Urlaub für viele Familien mit Kindern anderswo erschwinglicher. Doch wer für sein Geld Gutes erwarten möchte, findet es in diesem Hotel. Ein Mehr wäre aber des Guten zu viel. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt.
Gesamturteil
Ein von oberer Stelle zugeteiltes Wellness-Siegel braucht dieses Hotel nicht. Alle Gäste, mit denen ich sprach, fühlten sich wohl und empfanden die Urlaubstage auch wirklich als solche.
Das Zusammenspiel mehrerer Faktoren führt dazu, dass das Hotel immer gut besucht ist, kann ich abschließend meine oben gestellte Frage beantworten. Ich werde gerne wiederkommen.